Sie geht mit ein bisschen Wehmut

Gerlinde Ziegler hört nach 28 Jahren im Gemeinderat auf – und erhält viel Lob für ihre Arbeit. (von Matthias Drißner Esslinger Zeitung)

Sie war das „soziale Gewissen“ der CDU-Fraktion, sagte Bürgermeister Frank Buß bei der Verabschiedung von Gerlinde Ziegler, die 28 Jahre dem Gemeinderat angehörte. Ihr Einsatz für Schwächere, besonders für Kinder, Jugendliche, Frauen, ältere Menschen und Migranten, folgte aus einem christlichen Werteverständnis. „Eine Ära geht zu Ende“, so Buß, der Zieglers Verdienste als langjährige CDU-Fraktionschefin, erste stellvertretende Bürgermeisterin (2009 bis 2019) und Mitglied in zahlreichen Ausschüssen würdigte. Bodenständigkeit, Verantwortungsbewusstsein und klare Kommunikation zeichneten sie aus. Ebenso ihr „ausgesprochener Sinn für die Realität und des Machbaren“, nach dem Motto: „Pflichten erfüllt man am besten, wenn man sie zu Neigungen macht.“ Von dieser Einstellung hätten viele profitiert.

Mit ihrem Mann kam die in Bühlertal geborene Gerlinde Ziegler einst nach Plochingen. Die Mutter zweier Kinder prägte als Lehrerin der Panoramaschule Schülergenerationen. Dabei arbeitete sie „dicht am, bei und für Menschen“, sagte Buß.

Viele Jahre lang war Ziegler zweite Vorsitzende des CDU-Stadtverbands und Mitglied im Kreisverband. Bis 2019 vertrat sie in drei Amtszeiten den Wahlkreis Plochingen im Kreistag. Sie war im Sozialausschuss stellvertretende Sprecherin im Jugendhilfeausschuss und Mitglied im Fachbereich Frauenhäuser. Die Ludwigsburger Hochschule für öffentliche Verwaltung und Finanzen zeichnete sie 2013 im Wettbewerb „Vorbilder – Frauen in der Kommunalpolitik“ aus. Zudem war Ziegler fast 20 Jahre lang Kirchengemeinderätin der katholischen Kirche. Sie gehörte dem Vorstand des Palliativ Fördervereins und dem Kuratorium der Caritas-Stiftung an. Neun Jahre lang war sie Schöffin.

Im sozialen Bereich gekämpft

In der Kommunalpolitik habe sie viele Entscheidungen mitgetragen: Von der Ausrichtung der Landesgartenschau über Sanierungsprogramme der Innenstadt bis zum Ausbau der Kinderbetreuung. Der Neubau der Burgschule, die Sanierung der Panorama-, Marquardt- und Realschule sowie jetzt des Gymnasiums fielen in ihre Amtszeit, ebenso der Erwerb und Ausbau des Kulturparks Dettinger. Nach dem Tod ihres Mannes sei der Schritt, sich aus der Kommunalpolitik zurückzuziehen, verständlich, meinte CDU-Chef Reiner Nußbaum. Einiges habe sich Ziegler in 17 Jahren als Fraktionsvorsitzende und „Chefin einer von Männern geprägten Fraktion“ anhören müssen. „Mit ruhiger Hand“ führte sie diese, was ihr „mit Bravour“ gelungen sei. Auch SPD-Fraktionschef Joachim Hahn bedankte sich für die durch „Transparenz, Offenheit und Ehrlichkeit“ geprägte Zusammenarbeit. Für die OGL dankte Stefan Kirchner, der Ziegler von Anfang an zu schätzen gelernt habe. „Wir wissen, wieviel Zeit es kostet“, meinte Janina Guilliard (ULP) Zieglers langjährige Arbeit als Stadträtin wertschätzend. „Es war viel los in den 28 Jahren“, stellte die 75-jährige Gerlinde Ziegler fest. Der Wohnungsbau habe die Stadt gewaltig verändert, gekämpft habe sie im sozialen Bereich bei der Kinderbetreuung. So sei anfangs die Zeit für eine Regelbetreuung im katholischen Kindergarten noch nicht reif gewesen und Schulsozialarbeit gab es auch noch nicht. Ziegler dankte den Fraktionen für die vertrauensvolle Zusammenarbeit und offene Diskussion. Im Wissen, dass Fachleute nachkämen, falle es ihr nicht schwer, die Arbeit abzugeben. Das sei die „große Aufgabe des Alters“.

Als Badenerin, die 1973 nach Plochingen kam, habe sie Stadtrat Adolf Nelibar zur Kandidatur ermuntert. Sie habe es sich erst nicht zugetraut, dann sei sie sogar seine Nachfolgerin geworden. Als „Reingeschmeckte und Frau“ dankte sie ihren Fraktionskollegen für ihr wohlwollendes Entgegenkommen und der Stadtverwaltung für die Geduld, stets und „nie von oben herab“ ihre Fragen beantwortet zu haben. Ihren Entschluss begleite ein „gehöriger Tropfen Wehmut“ und die persönlichen Begegnungen werde sie vermissen.

Bürgermeister Buß zeichnete Ziegler für ihre über 25-jährige Ratstätigkeit mit der Ehrennadel und Urkunde des Gemeindetags aus. Von der Stadt erhielt sie einen Druck der Künstlerin Swaantje Güntzel. Karel Markoc, der bis zur Kommunalwahl Stadtrat der Freien Wähler war, rückte für Ziegler nach. Er kandidierte für die CDU, nachdem die Wählervereinigung bei den Wahlen nicht mehr antrat.

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